http://www.wz-wuppertal.de/?redid=834884Wuppertal. Noch immer wissen nicht alle Wuppertaler Eltern von Grundschulkindern, ob ihr Junge oder Mädchen einen Platz in einer Ganztagsgruppe ergattern konnte oder nicht. Der Grundschul-Ganztag ist alljährlich für einige Schuleinsteiger ein Glückspiel mit dem Hauptgewinn: Betreuung bis 16 Uhr.
Verantwortlich für die Vergabe der stadtweit 3300 Ganztags-Plätze sind die jeweiligen Schulen. Und dort laufen derzeit die Sondierungen, heißt es aus dem Schulamt. Gemeint ist: die Vergabe der begehrten Plätze an die Bewerber.
Ganztag
Auch bei der Gruppengröße lässt sich nur schwer etwas machen, um das Angebot an Ganztags-Plätzen in Grundschulen auszubauen. Die Gruppen dürfen aus nicht mehr als 25, maximal 27 Kindern bestehen (Förderschulen 12). Die kommunale Pflichtabgabe der Kommune pro Schüler beträgt 410 Euro.
Die Chancen für jene, die noch keinen Platz sicher haben, sind nicht allzu hoch. Denn die offene Ganztagsgrundschule leidet stadt- und landesweit unter chronischer Unterdeckung. Das heißt: Es gibt viel zu wenige Plätze, um den Bedarf bedienen zu können. Wie viele Eltern und Kinder in diesem Jahr leer ausgehen, steht fest, sobald in allen Einrichtungen die Verfahren für das kommende Schuljahr abgeschlossen sind. Sicher ist aber: Es werden hunderte Eltern enttäuscht werden. Allein im vergangenen Schuljahr lag der Bedarf an betreuten Ganztags-Grundschulplätzen um rund 700 über dem tatsächlich vorhandenen Angebot.
Insgesamt kann in Wuppertal gerade einmal ein Viertel der Grundschulkinder im Ganztag betreut werden. Das entspricht zwar dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindest-Deckungsgrad, ist aber in der Praxis viel zu wenig. Das weiß auch Schuldezernent Matthias Nocke. Sein Bemühen, das Angebot angemessen auszuweiten, klingt aber eher hilflos.
Ganztagsgrundschulplätze gelten – trotz staatlicher Unterstützung – als freiwillige Leistungen der Stadt, wenn die ihr Angebot über das geforderte Maß ausbauen will. Freiwillige Leistungen sind aber angesichts der nahenden Zahlungsunfähigkeit auf Null gesetzt, weitere Investitionen in ein zusätzliches Betreuungsangebot ausgeschlossen.
„Wir können uns einer Ausweitung des Angebots nicht entziehen.“
Matthias Nocke, Schuldezernent
Nocke sucht dennoch fieberhaft nach einer Lösung, die mehr Plätze in den Einrichtungen schafft und zugleich Gnade vor dem Rotstift des Kämmerers findet. Gefunden hat sie der Schuldezernent noch nicht. Fest steht für ihn aber: „Wir können uns einer Ausweitung des Angebots nicht entziehen. Es müssen mehr Plätze her, mit dieser Quote können wir langfristig nicht weiterarbeiten.“
Das Ganztagsangebot in Grundschulen steht unter wachsendem Druck. 61 Prozent aller Grundschul-Eltern sind berufstätig – Tendenz steigend. Dazu kommt der zwar nicht bedarfsgerechte aber zumindest stete Ausbau von Betreuungsangeboten im Kindergartenalter und darunter. „Niemand kann davon ausgehen, dass eine Mutter ihren Job an den Nagel hängt, weil ihr Kind zwar im Kindergarten betreut wurde, dies aber in der Grundschule nicht mehr klappt“, erklärt Nocke.
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NRW baut das Ganztagsangebot an den Schulen aus (14.08.2009)Hinzu kommt: Bei der Vergabe der raren Plätze müssen die Schulen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Trägern, die das Übermittag-Angebot organisieren, vor allem soziale Kriterien berücksichtigen. Der Effekt ist, dass mehr als die Hälfte der im Ganztag betreuten Grundschul-Kinder aus sozial schwachen Familienverhältnissen kommt. Eine gesunde Mischung sieht für das Schulamt anders aus. Pädagogen warnen bereits vor sozialer Segregation am Grundschul-Nachmittag. Ganz davon abgesehen, dass jene, die einen Betreuungsplatz am dringendsten brauchen, auch am wenigstens dafür zahlen.
Bliebe noch die Möglichkeit des Losverfahrens. Das aber will das Schulamt nur als allerletztes Mittel durchgehen lassen. Nocke: „Wir sind schließlich nicht in Berlin.“